
ᴅᴇᴜᴛꜱᴄʜʟᴀɴᴅ ᴍᴜꜱꜱ ᴡɪꜱꜱᴇɴ, ᴡᴏʜɪɴ ᴇꜱ ɢᴇʜöʀᴛ
Leserbrief FAZ | 24.05.2024 | Dr. Dietrich von Kyaw, Botschafter a.D.
<< In seinem richtungsweisenden Artikel „Wo Deutschland hingehört“ (F.A.Z. vom 21. Mai) beschreibt Gerald Braunberger, wie sich Deutschland nach der Wende wieder in eine Mittellage zwischen Ost und West manövrierte, womit es „mangels Ressourcen und strategischen Weitblicks in seiner Geschichte noch nie dauerhaft etwas Gescheites angefangen hatte“. Zugleich zeigt er daraus zu ziehende Schlussfolgerungen auf. Als Student in Bonn erlebte ich, wie Konrad Adenauer die Notwendigkeit fester Westbindung über europäische Integration und transatlantisches Bündnis auf Deutschlands historisches Unvermögen zurückführte, mit seiner komplexen zentralen Mittellage in Europa umzugehen. Als Diplomat durfte ich auch als Ständiger Vertreter bei der EU daran mitwirken, dass in einer globalisierten Welt mit ihren autoritären Nuklearmächten diese Einbindung zu gemeinsamer Sicherheit und Stärke, zu Schutz von Demokratie und Gewährleistung von Wohlstand sowie zur Durchsetzung nationaler Ziele wie der Wiedervereinigung und des Mittel- wie Osteuropa umfassenden EU-Binnenmarktes für unsere exportorientierte Industrie führte.
Ein aggressives Russland und das mit ihm eng verbundene China sowie Globalisierung und Klimawandel fordern uns heute erneut zu konkretem gemeinsamen Handeln mit unseren Partnern heraus. Es geht um abschreckende Wehrkraft und Unterstützung der Ukraine, um Wirtschaftsdynamik, Investitionen in Infrastruktur und moderne Technologien, Freihandelsabkommen, mehr soziale Marktwirtschaft, um Klimaschutz und dessen Erwirtschaftung. Ja: Deutschland muss beim Umgang mit den Herausforderungen wissen, „wohin es gehört“! Berlin wird scheitern, wenn es bei aller gebotenen Offenheit gen Osten das Erbe der „Bonner Republik“ einer vorrangigen festen Westbindung nicht bewahrt und dabei etwa auch in der Migrationsfrage die „Südschiene“ der EU vernachlässigt. >>
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